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Mai 25, 2012 (19:00)
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Segelausflug: Jugendfeuerwehr sticht in See Drucken E-Mail

                           Mit vereinten Kräften und hart am Wind: Bei ihrem Segelausflug aufs holländische Ijsselmeer mussten Jugendliche und Betreuer kräftig mit Handanlegen, wie hier beim Segelsetzen.

Früh trafen sich Jugendliche und Betreuer am Donnerstagmorgen eines verlängerten Wochenendes an der Hauptfeuerwache. Und früh war gut, denn die 24-köpfige Reisegruppe hatte einen weiten Weg vor sich, um in fremden Ländern in See zu stechen - in diesem Fall auf dem holländischen Ijsselmeer. Dorthin sollte nämlich der Ausflug anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Niersteiner Jugendfeuerwehr führen und eins lässt sich bereits vorab festhalten: Es sollten vier bewegte Tage werden...

Mit vier Autos machten wir uns auf den Weg ins niederländische Lelystad und erregten dort sogleich die Aufmerksamkeit der Bewohner...

Mit vier voll besetzten Feuerwehrfahrzeugen, drei Mannschaftstransportwagen und dem Mehrzweckfahrzeug mit großer Ladefläche, machten sich die Niersteiner auf die über siebenstündige Fahrt nach Lelystad, einer 75.000 Einwohner zählenden Stadt am Ufer des Ijsselmeers, in deren Hafen wir von der "Inspiratie", einem zwei Dutzend Personen fassenden Zweimastklipper und der dazugehörigen zweiköpfigen Crew erwartet wurden. Doch wer nach der Ankunft gegen 15.30 Uhr glaubte, sich nach all der Fahrerei ein Päuschen verdient zu haben, wurde rasch eines Besseren belehrt: Kaum war das Gepäck verladen, die Autos auf einem Parkplatz abgestellt und die neue rheinhessische Besatzung von Matrose Benny in ihre Aufgaben eingewiesen, ließ Skipper Bert die Leinen lösen und kehrte Lelystad und seinem Hafen den Rücken. Auf zu neuen Ufern war das Motto bereits des ersten Reisetages.

Das Boot: Auf dem zwei Dutzend Personen fassenden Zweimastklipper war die Besatzung aus Rheinhessen vier Tage lang zu Hause.

Dabei sollte sich der Segelturn für Betreuer und Jugendliche nicht als reine Kreuzfahrt herausstellen, vielmehr war die aktive Mithilfe aller Beteiligten gefordert: Egal ob beim Segel setzen oder einholen, wenden, einpacken der Segel oder bedienen des Klüverbaums, überall machten sich die Niersteiner tatkräftig ans Werk. Nebenbei wollte über und unter Deck Ordnung gehalten und gekocht werden, denn nach alter Tradition wird die Stammbesatzung von der "Gastmannschaft" mitverpflegt. Da all diese Aufgaben insbesondere für ausgemachte "Landratten" ungekanntes Neuland darstellen, hatten wir als neue Besatzung der "Inspiratie" erst einmal alle Hände voll zu tun, während sich die Fahrer nach der langen Strecke eine kleine Verschnaufpause dann doch nicht nehmen lassen wollten. In den Abendstunden erreichten wir mit dem Städtchen Hoorn dann unseren ersten Übernachtungshafen, und nachdem mit großen Portionen Spagetti Hungerattacken erfolgreich bekämpft wurden, fielen alle Segler erschöpft in ihre schmalen Kojen.

In der Kombüse schwang die vierköpfige Küchencrew Kochlöffel und andere Utensilien. 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach ausgiebigem Frühstück im Hafen wieder zurück auf das Ijsselmeer, das genau betrachtet kein "Meer" im eigentlichen Sinne, sondern ein durch einen 29 Kilometer langen Deich von der Nordsee abgetrennter See ist. Insofern fallen Wellen und Seegang hier deutlich milder aus als auf der "echten" Nordsee. Dass aber auch dieses "mild" für seeunerfahrene Neusegler ein bisschen zu viel des Guten sein kann, ließ sich häufig an aktuer Appetitlosigkeit erkennen, wenn Mahlzeiten auf See eingenommen wurden, so wie an diesem Mittag mit einer Runde Tortellini geschehen, oder an der größeren Zahl leicht apathisch den Horizont betrachtender Besatzungsmitglieder. Größere "Unglücke" konnten im Verlauf der Reise allerdings glücklicherweise vermieden werden, und so hatten alle auch die Gelegenheit, bei erneut strahlendem Wetter ein weiteres Reisehighlight zu verfolgen: Die Fahrt durch eine Schleuse mit mehreren anderen Booten.

Bewegend: Mit kräftigem Segelwind gingen auch Wellen einher, die ab und an ansehlich am Bug zerschellten. 

Den Freitagabend sollte die "Inspiratie" nach aufregendem Segeltag nicht in einer Hafenstadt, sondern in einem abseits gelegenem "Fluchthafen" verbringen - beabsichtigte die Besatzung doch zu Grillen, was an Häfen in Städten in Holland nicht gestattet ist. Der Hafen, in dem uns Skipper Bert zur Verblüffung aller beinahe millimetergenau zwischen zwei weiteren Booten an die Kaimauer manövrierte, entpuppte sich als sehr idyllisch und gerade für die Jugendlichen als idealer Ort zum Toben, ohne irgendjemanden zu stören. Und so wurde kurzerhand der Spielball des Bordhundes zweckentfremdet, eine nahe gelegene Wiese zum Fußballfeld umfunktioniert und gekickt, während einige Betreuer den Grill nach draußen schleppten und ordentlich einheizten. Auch der "bestohlene" Vierbeiner vermisste sein Spielzeug keineswegs, war doch ausreichend Ersatz vorhanden, mit dem er mitsamt Herrchen zu einem ausgiebigen Bad an einem Strand in der Nähe aufbrach.

Die Stimmung war auch an diesem Abend blendend - wie hier beim Gruppenbild einige hundert Meter von Fluchthafen und Boot entfernt. 

Am nächsten Morgen herrschte bereits um 5 Uhr in der Frühe reger Betrieb an Deck der "Inspiratie", letzte Vorbereitungen für das Auslaufen wurden getroffen, da man es sich zum Ziel gesetzt hatte, die wohl einmalige Chance zum Segeln in den Sonnenaufgang zu nutzen. Den Jugendlichen war die Teilnahme an der Aktion freigestellt worden, aber auch von den Nachwuchswehrleuten wollten sich viele das Ereignis nicht entgehen lassen und halfen kräftig mit, das Schiff um den schützenden Hafendeich zu befördern, während gegen 5.20 Uhr die Sonne als zunächst grellorangener Ball über den Horizont kroch und langsam den Himmel emporkletterte. Während nach dieser Aktion (und da zum Frühstück noch knapp drei Stunden zu überbrücken waren) mancher in ein Müdigkeitsloch stürzte und ein weiteres Mal in seiner Kabine entschwand, nahm Skipper Bert bereits Kurs auf den nächsten Hafen, der am frühen Nachmittag erreicht werden sollte: Enkhuizen.

Das morgendliche Segeln in den Sonnenaufgang war selbst für die Stammcrew der "Inspiratie" ein nicht alltägliches Erlebnis. 

Hier unternahmen die Niersteiner einen samstäglichen Landgang bei schöndem Frühsommerwetter, um zu ihrer Überraschung festzustellen, dass die Stadt dank eines Jazzfestivals vor Leben vibrierte. Überall waren Bühnen aufgebaut, vor denen sich Menschentrauben drängten, weitere Musikgruppen zogen über die Plätze, in den Nebenstraßen boten Händler ihre Waren an. Nachdem sich die Gäste aus Deutschland eine Zeit lang treiben ließen und mit Eis und sonstigem (insbesondere für 13- bis 16-Jährige offensichtlich lebenswichtigem) Süßkram eindeckten, machte man sich wieder auf den Rückweg zum Schiff, dessen Deck vor Sauberkeit quasi glänzte, hatte hier doch erst kurz vor Aufbruch eine gewaltige Wasserschlacht getobt. Nachdem auch die Hamburger als Abendessen verputzt waren, beschlossen wir den Samstag mit einem Piratenabend, zu dem jedes Zimmer ein Lied, Spiel, Quiz, Gedicht oder sonstigen Themenbeitrag beisteuerte.

Da steppte der Bär: Am Besuchstag der Niersteiner Gäste stieg in ganz Enkhuizen ein Jazzfestival, Bands zogen durch die Straßen der Stadt. 

Mit dem Sonntag sollte der letzte Tag der Reise und der einzige Schlechtwettertag des Hollandtrips beginnen. Kurz vor dem Heimathafen Lelystad geriet die "Inspiratie" in ein Gewitter mit heftigen Regenfällen, so dass es dieses Mal aus Sicherheitsgründen ausschließlich die Betreuer waren, die (übrigens in Rekordzeit!) die Segel einholten und das Schiff für die Einfahrt in den Hafen vorbereiteten. Im Hafen angekommen, schwelgte man nach kurzem Imbiss noch vom Schiff der Königin, welches das Schiff der Niersteiner zuvor ein kurzes Stück begleitet hatte (oder umgekehrt?), bevor das Gepäck vom Boot zurück auf die Fahrzeuge wanderte. Dann war es auch schon wieder an der Zeit, Abschied zu nehmen, von Holland, von der "Inspiratie", einem knuffigen Hund und zwei sympathischen Matrosen, bevor wir unsere Autos auf den Rückweg gen Deutschland steuerten.

Rien ne va plus: Im Aufenthaltsbereich unter Deck wurde zwar kein Roulette gespielt, dennoch ließen die Jugendlichen (und mancher mutige Betreuer) mit regelmäßigen Poker- und Black-Jack-Runden Casinofeeling an Bord aufkommen. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass alle Mitglieder und Helfer der Niersteiner Jugendfeuerwehr vier tolle, kurzweilige und abwechslungsreiche Tage miteinander verlebten. Insbesondere die räumlichen Platzverhältnisse und der Umstand, dass fast alle Arbeiten in Teamarbeit erledigt werden mussten, bewirkten, dass der Zusammenhalt zwischen den Jugendlichen weiter gestärkt wurde. Auch die Betreuer waren stets mit großem Spaß bei der Sache, widmeten sich mit viel Elan den großen und kleinen Herausforderungen, die hinter manchen Ecken auf sie warteten (so war keiner der Anwesenden bekennender oder leidenschaftlicher Hobbykoch - das Essen allerdings geriet vorzüglich, wie auch Jugendwart Julian Mader in seinem abschließenden Dank an alle Mitfahrer und Helfer ausdrücklich betonte) und trugen so ihren Teil dazu bei, dass diese vier Tage am und auf dem Ijsselmeer wohl keiner der Freizeitsegler so schnell vergessen wird.

Alle ziehen an einem Strang: Durch viel Teamarbeit wurde der Gruppenzusammenhalt weiter gestärkt. 

Tolle Aussichten: Den größten Teil ihrer Reise durften die Niersteiner bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein genießen. 

Gruppenbild mit Segelboot: Die Stammbesatzung der "Inspiratie" und ihre rheinhessische Gastmannschaft. 

Fotos: A. Klee / J. Mader / J. Peters

 

 

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